Home 2007 2007: CH - SA (UL) Tagebuch 14. -19. Tag, 06. - 11.07.2007: In Jeddah, Saudi Arabien / WIR SITZEN FEST!

14. -19. Tag, 06. - 11.07.2007: In Jeddah, Saudi Arabien / WIR SITZEN FEST!

  • PDF
  • Drucken
  • E-Mail

Wir warten in Jeddah auf die Bewilligungen für den Überflug über die Hoheitsgebiete von Eritrea und Jemen.

Während ich fast ununterbrochen am Telefon hänge, spielt Alain ein Computerspiel in der Jet Aviation Lounge, die eigentlich nur Piloten und der Crew zur Verfügung stehen.

Endlich, am 6.07.2007 erfahre ich, dass wir aller Voraussicht nach von Jemen eine Flugerlaubnis erteilen um in Hodeidah Int. Landen zu können. Dazu müssen wir aber in der Lage sein, wie schon über der Schweiz auf 13000 fuss (über 4000 müM) zu steigen.
Bei dem angekündigten Rückenwind müssten wir die Strecke locker schaffen!
Gut vorbereitet sehen ich dem nächsten Segment, dem Nadelöhr unserer Reise, gelassen entgegen.

Bild1

Augen...

Am 07.07.2007 um 11 Uhr trifft die lange erwartete Flugbewilligung ein und ich dränge zum sofortigen Aufbruch.

Bei der Vorflugkontrolle stellen wir fest, dass wir rechts einen Platten eingefangen haben und ein Start so unmöglich ist. Was dann folgt ist kaum zu glauben: Jet Aviation fahrt einen Stickstoffwagen vor. Kosten: Schlappe 100 US$. Ich appelliere an die Vernunft der Angestellten und bekomme schliesslich 50% Rabatt. Die Ventile an den Reifen sind so unglücklich montiert, dass es eine Stunde Arbeit kostet um den Anschluss zum Auffüllen herzustellen.


Wir tanken AVGAS zum Preis von 5.53 US$/ l und das obwohl wir mit MOGAS fliegen könnten, das hier weniger als 0.3 US$ / l kostet. Der Grund: Es wir uns untersagt, die Benzinkanister von der Tankstelle auf das Flugareal zu tragen!!! Das nenne ich Abriss!
Mit 2 Stunden Verspätung erhalten wir beim Rollen zur Startbahn die Clearance. Diese entspricht in keiner Art der Flugplanung, die ich zuvor aufgegeben habe. Nichtflieger können sich kaum vorstellen, welchen Stress die Beharrlichkeit eines Lotsens in einer so kleinen Maschine mit so wenig Platz auslösen kann - besonders wenn hinter einem eine A320 steht die ebenfalls starten möchte!

Ich gebe schliesslich klein bei und wir starten. Während 20 Minuten programmiere ich das neue Routing. Der neue Weg führt uns mitten ins rote Meer - weit weg vom sicheren Festland.
Unsere Überlebensausrüstung ist im Gepäckraum verstaut und ich koche innerlich. Schliesslich erhalten wir eine Anweisung, die wir auf Grund der immer schlechter werdenden Verbindung nicht mehr Verstehen. Wortfetzen wie „active Zone, military defense" können wir ausmachen. Der von den Lotzen erzwungene Umweg zeigt Wirkung. Nach den neusten Berechnungen haben wir noch 29 Minuten Reserve bei der Landung in Hodeidah.
Ohne zu zögern leite ich jetzt einen 180 Grad Turn ein und wir fliegen zurück nach Jeddah. Innerlich errechne ich schon mal den entstandenen Schaden (Treibstoff) und schätzt ca. 500 US$. Die Landung im Instrumentenflug bereitet mir Spass. Alain, der wie üblich auf 9000 Fuss geschlafen hat, ist jetzt eine grosse moralische Hilfe.

Nach der Landung untersuche ich den Vorfall und höre mir die Funksprüche noch einmal ab.

Der Turm macht mich wie erwartet für Alles verantwortlich!. „You have accepted the clearance capitan - it is your mistake! ». Ich gebe jetzt einfach auf und hänge den Hörer in die Gabel.

Wir wollen nur noch ins Hotel als uns ein freundlich jedoch bestimmter molliger Uniformierter darauf aufmerksam macht, dass Alain nicht zur Crew gehöre und deshalb illegal in Saudi Arabien sei.
Mit Geld könne man(n) das aber kompensieren. Ich bleibe erstaunlich gelassen und übergebe ein mitgebrachtes Lichtbild von Alain zur Erstellung eines Ausweises heraus. Nach 2 ½ Stunden fahren wir ins Hotel - wir dürfen uns nur eingeschränkt im Lande bewegen... Irgendwie fühlen wir uns fremd hier in Saudi Arabien - auch wenn viele nette und gebildete Menschen begegnen und es zu spannenden Gesprächen kommt.

Wir fühlen uns nicht gerade Willkommen hier in Saudi Arabien. Gleich morgens um 8 Uhr am 8.7.2007 sendet Jet Aviation einen Vermittler zur Einwanderungsbehörde um unseren Aufenthalt um bis zu 4 Tagen zu verlängern. Alain wird nun definitiv nicht als Crewmitglied gesehen sondern als illegal eingereiste Person, die jeden Tag die sie im Saudi Arabien verbringt, ca. 1000 US$ zu berappen hat.
Die Rechnung für Jet Aviation für die letzten 2 Tage beträgt rund 550 US!!!

Das gestrige Abenteuer, das uns in Mitten des roten Meeres brachte, und bei dem wir schliesslich mangels Treibstoffreserve umkehren mussten, kostet uns schlappe 460 US$. Der Weg ist das Ziel - weshalb ich mich kategorisch weigere, die Weiterführung der Reise zu diskutiert. Sollte allerdings ein „Niet" von den Behörden in Eritrea kommen, müssten wir wohl aufgeben!

Von 11 Uhr bis ca. 20:00 Uhr sitzen wir im Crew Raum der Jet Aviation. 2 Pizzas mit je einem Sprite zum schlappen Preis von 30 US$ werden vernichtet. Ich erneuere die Flugplanung unter Berücksichtigung der neusten Wetterdaten, arbeitet am Web und ruft Gott und die Welt an um eine Lösung für die Flugberechtigung zu finden.
Die Stimmung ist gut aber beide fühlen die Anspannung. Wir sind zu müde um zu filmen. Unsere letzte Hoffnung ist und bleibt die sehnlich erwartete Fluggenehmigung von Eritrea.

Am 9.7.2007 stehe ich um 4 Uhr in der Früh auf um die neusten Wetterberichte herunterzuladen. Ihn interessieren vor allem die Winde in den verschiedenen Höhen, die er dann in einem Computermodell verwenden kann. Damit lassen sich ziemlich exakt Reichweite, der „Point of no return" u.s.w. berechnen. Die letzten Tage waren zwar anstrengend und es gab viel Zeit miteinander über Gott und die Welt zu sprechen.

Bild2

Alain vertreibt sich die Zeit mit Spielen....

Ich sehe in Alain einen Spiegel meiner selbst - auch wenn ich mich nur wage daran erinnern kann, dass auch ich einmal ähnliche Interessen hatte. Alain interessiert sich für Statussymbole wie Ferraris, schnelle Flitzer überhaupt, die Anzahl der Sterne der Hotels in denen wir übernachten und Geld & Macht. „Wie viel Geld hat der reichste Mann auf dieser Welt? Lass uns eine Firma gründen und viel Geld verdienen. Wir könnten doch einen naturfreundlichen Treibstoff erfinden und dann weltweit verkaufen!". Ich gerate gelegentlich an meine Grenzen, da sich meine Interessen diametral von denen von Alain unterscheiden. Die ständigen Fragen nach der Anzahl der Sterne und den Statussymbolen sind kaum auszuhalten und nerven. Alain lässt sich auch dann nicht bremsen, wenn ich versuche, ihm die Zusammenhänge zu erklären...

Drei Tage ist es her, seit dem ich Alain zum Abendessen in einen für arabische Verhältnisse äusserst luxuriöses Restaurant eingeladen habe. Fast Alles, selbst die Garnituren in der Toilette sind dort aus massivem Gold. Nach dem (k-östlichen) Essen wollte ich wissen, ob Alain einen Unterschied zu einer üblichen Mahlzeit bemerkt hätte. Es fiel Alain schwer, einen Unterschied zu beschreiben...

Wir kommen uns näher und stellen gleichzeitig fest, wie weit entfernt wir voneinander entfernt sind! Der Altersunterschied und die unterschiedliche Lebenserfahrung macht sich bemerkbar.

Alain schafft es, sich stundenlang am PC in der Crew Launch mit seinen Lieblingsspiel zu beschäftigen und zeigt kein Interesse an der Findung einer Lösung unseres wirklich grossen Problems.
Der Navigationscomputer ist mit den neusten Routendaten geladen und wir warten sehnlichst auf die Flugbewilligung aus Eritrea.
Wir haben vor dem Einschlafen die Optionen durchgesprochen: 1. Es geht weiter nachdem die Bewilligung eingetroffen ist 2. Wir fliegen zurück nach Europa, parken die Maschine und fliegen mit der Linie unseren gebuchten Safaris hinterher 3. Wir unternehmen eine Reise durch Europa Wir haben noch nicht aufgegeben und freuen uns über die soeben eingegangene

Emails:

Von: Continental Jet Services [mailto: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ]
Gesendet: Montag, 9. Juli 2007 05:38
An: 'Beat Meier' Cc: 'White Rose Aviation'
Betreff: RE: D-MBEA
Dear Captain Meier Saturday & Sunday, Eritrea civil aviation is closed.
Hopefully we will get you the permit today ASAP,
Krgrds, ___________________________
Maher Continental Jet Services
Sharjah Airport Free Zone, UAE
P.O.BOX 9220
Tel : +971 6 5573170 / 5573150
Fax : +971 6 5573190
Email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
SITA : DXBCJXH
Web : www.continentaljet.aero
Von: Continental Jet Services [mailto: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ]
Gesendet: Montag, 9. Juli 2007 05:38
An: 'Beat Meier' Cc: 'White Rose Aviation'
Betreff: RE: D-MBEA
Dear Captain Meier Saturday & Sunday, Eritrea civil aviation is closed.
Hopefully we will get you the permit today ASAP,
Krgrds, ___________________________
Maher Continental Jet Services
Sharjah Airport Free Zone, UAE
P.O.BOX 9220
Tel : +971 6 5573170 / 5573150
Fax : +971 6 5573190
Email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
SITA : DXBCJXH
Web : www.continentaljet.aero

Vielleicht geht bei uns heute die Clearance ein! Ich formuliere die Zielsetzung neu. „Erst wenn unser Gesuch abgelehnt wird, aktivieren wir Plan B.. Vorher bleiben wir stur, auch wenn das uns Geld und Nerven kostet!

Alain dreht sich im Bett und schläft weiter. Ich erledige Emails und beginnt weitere Kanäle zu aktivieren, die uns möglicherweise weiterhelfen können. Jeddah - Djibuti stellt das Nadelöhr dar. Sind wir einmal durch, reicht die Reichweite unserer Maschine um die neu berechnete Route mit hoher Wahrscheinlichkeit zu schaffen. Tief im Innern bin ich frustriert und machte mir insgeheim Vorwürfe sich ich die Reise nicht noch besser vorbereitet habe. Eines wird jetzt aber schon klar. Eine solche Reise mit einer Maschine in Angriff zu nehmen, die nicht mit Jet-Treibstoff (im Prinzip nichts anderes als Heizöl) betrieben werden kann, ist eine sportliche Herausforderung die ausgesprochen teuer zu stehen kommt. Das nächste Flugzeug wird aller Voraussicht nach eines mit Dieselantrieb sein. Dann ist wenigstens die Versorgungslage kein Problem mehr, denn Jets fliegen überall und Treibstoff gibt es in Hülle und Fülle.

Die Zeit verstreicht nur langsam, Alain sitzt an meinem Computer und spielt, Ich telefonierte mit der Schweizer Botschaft in Rjad. Dort erhalte ich die Nummer des Generalkonsuls in Jeddah. Ein freundlicher Herr erklärt mir, dass die Schweiz nicht intervenieren könne, wenn ein Schweizer gegen lokale Gesetze verstosse! Ich schildere die Lage: Mein Sohn ist hier zur „Persona non grata" erklärt worden, weil er als Passagier ohne Visum auf Grund technischer Probleme des Flugzeuges hier gestrandet ist. Dafür bezahlte ich gegen 1000 US$ pro Tag Busse. Wo in aller Welt bleibt hier die Gerechtigkeit? Jet Aviation bemüht sich sichtlich, eine Lösung zu finden - bis jetzt ohne Erfolg nota bene.

sausi_5

Ausweis einer Persona non grata...

Es ist 15:00 Uhr - Zeit um die Emails zu lesen. Die zugesagte Flugerlaubnis liegt nicht vor. Ich telefoniere erneut mit den Behörden in Eritrea. „Es handelt sich um eine in Deutschland immatrikulierte Maschine, weshalb das Gesuch an das Innenministerium weitergeleitet wurde!" meint der Beamte etwas genervt. Ich beginne jetzt innerlich zu Kochen - Morgen würden wir in Tanzania eigentlich unsere erste vorausbezahlte Safari beginnen und wir sitzen immer noch in diesem Hotel in einem Land indem wir nicht willkommen sind und auch noch täglich um 1000 US$ hinblättern müssen.

Es wird Abend und damit klar, dass wir heute hier nicht mehr wegkommen können. Frustriert verzehren wir im Restaurant ein Hühnchen und legen uns danach gleich ins Bett. In dieser Nacht kann ich kaum schlafen und beginne damit, neue Alternativen zu evaluieren.

Nach 4 Stunden, in denen ich mich im Bett hin und her gewälzt habe, kommt die zündende Idee: Der Querschnitt der Radar-Rückstreuung einer Oberfläche wird definiert als das Verhältnis zwischen der zur Quelle zurückreflektierten Strahlung und der auf die Oberfläche einfallenden Strahlung. Der Querschnitt der Radar-Rückstreuung ist es, der von einem aktiven Radaranlage gemessen wird. Der Querschnitt der Radar-Rückstreuung ist eine Funktion aus dem Blickwinkel und der Frequenz, sowie auch den Umwelteigenschaften der Oberfläche. Eine glatte Oberfläche liefert bei schräger Betrachtung praktisch keinen Radar-Reflex. Damit spielen die Flügel fast keine Rolle bei der Berechnung des Querschnitts der Radar-Rückstreuung. Wenn die Oberfläche rauh ist, findet erhebliche Rückstreuung statt, und periodische Strukturen bei bestimmten Wellenlängen in der Oberflächenrauhigkeit lassen resonante Braggsche Streuung auftreten. Die gestreuten Wellen aus vielen verschiedenen Teilen der Oberfläche können sich gegenseitig stören und die Streuung in einer bestimmten Richtung verstärken (zurück zur Quelle) und alle anderen Reflexionen auslöschen. Die Oberfläche unseres Flugzeuges ist relativ glatt und dürfte auf Grund des verwendeten Materials nur bedingt als Radarreflektor geeignet sein. Einzig der Motor aus massivem Stahl ist ein signifikanter Faktor.
Ich stehe schliesslich auf und beginne zu rechnen. Von einer Zuverlässigen Quelle habe ich die Koordinaten der Radarstationen von Dschibuti, Eritrea, Somalia und Jemen erhalten. Die minimale Distanz auf den jeweiligen Flugsegmenten ist mit Google Earth schnell bestimmt und es ist davon auszugehen, dass wir im Notfall zum Teil sogar im Erdschatten fliegen könnten! Ich gehe davon aus, dass uns ein militärischer Radar aus 20km kaum mehr erkennen dürfte solange wir unterhalb von 2° von der Station ausgesehen fliegen. Ich benötige daher aus meiner Sicht nur noch eine Flugbewilligung - die von Eritrea - damit wir unsere Reise fortsetzen können. Wir werden ca. 61km durch das Hoheitsgebiet von Jemen fliegen, was einer Flugzeit von ca. 17 Minuten entspricht. Die nächst gelegene Radaranlage dürfte ca. 80km von unserem Flugweg entfernt liegen. Bei einer Flughöhe von ca. 50m haben wir gute Chancen unerkannt durchzuschlüpfen. Da Jemen und Eritrea nicht gerade gut aufeinander zu sprechen sind, kann davon ausgegangen werden, dass Aufklärungsflugzeuge nicht direkt an den FIR Grenzen aufkreuzen. Das hat mir auch ein Freund, der in einer in der Nähe stationierten Friedenstruppe dient, bestätigt.

Jetzt lege ich mich erneut hin und schlafe sofort ein...

Alain will „die wilden Tiere" in Afrika sehen und ich ebenso!
Wir leben vorwiegend aus der Minibar, die uns gestern erneut gefüllt wurde. Es ist zwar ungesundes Essen aber irgendwie mögen wir uns nicht unters Volk mischen. Da ist der leicht süssliche Parfumgeruch im Lift, die vorwiegend schwarz gekleideten Frauen die ihr Gesicht hinter einem Schleier verbergen, die ausschliesslich aus asiatisch-moslemischen Ländern stammenden Bediensteten im Hotel, die weiss gekleideten Männer mit Sandalen...

Der Koran ist die Grundlage aller Sitten und Gebräuche in diesem islamischen Staat.
Besonders die Rechte der Frauen sind traditionell sehr stark eingeengt. Die islamischen Gebetsstunden sind Gesetz; Läden, Kaffeehäuser und Restaurants schliessen zur "Prayer Time" (Gebetsstunde).
5 mal pro Tag zu festgelegten Zeiten schalten sich in allen Gebäuden wo gearbeitet wird die Lautsprecher ein und übermitteln die Gebete der meist lokal im Gebäude ansässigen Mosche. Alkohol und Drogen sind hierzulande verboten. Verstösse (Besitz oder Konsum) werden sehr hart bestraft. Auf Drogenbesitz und -konsum steht die Todesstrafe.

christ

Hier werden einem Christen in aller Öffentlichkeit die islamischen Werte näher gebracht.

sharia1

Öffentliche Hinrichtung - wie im Mittelalter.

 

Saudi Arabien ist in gewisser Hinsicht im Mittelalter stehen geblieben. Noch heute fahren Scharfrichter mit Ihren Opfern durch die Strassen, halten irgendwo an um die Urteile mit dem Schwert umzusetzen.
Männer tragen auch bei 50°C in der Wüste stets lange Hosen und Hemden, Frauen sollten zur eigenen Sicherheit den üblichen Schleier tragen. Wir erleben hautnah, dass Individualtourismus in Saudi-Arabien nicht erlaubt ist und man immer eine offizielle Einladung einer Saudischen Organisation oder eines Wirtschaftsunternehmens benötigt, um hier einzureisen. Sonderregelungen gibt es nur bei Gruppen von islamischen Pilgern (Hajj und Umrah), die die heiligen Stätten Mekka und Medina besuchen, zu der wir uns nicht zählen können!

Frauen unter 40 Jahren dürfen übrigens hierzulande ohne Begleitung eines Erwachsenen Verwandten nicht allein einreise! Jeddah liegt am Roten Meer, das Klima ist feuchtwarm und für uns Europäer sehr gewöhnungsbedürftig.

Die Stadt unterscheidet sich angeblich sehr vom Rest des Landes, man spüre mehr Offenheit und multikulturelle Einflüsse, sagt man uns. Frauen dürften auch unverschleiert in die Öffentlichkeit, es seien Spaziergänge sogar am Strand möglich erfahren wir. An der Strandpromenade stehen zahlreiche meterhohe Skulpturen, einige kleinere sind originale Werke von Pablo Picasso - Geld gibt es in Hülle und Fülle. Den Männern ist es vorbehalten, an den zahlreichen Resorts und Strandbädern Jetski zu fahren und ausgiebige Tauchgänge an den fantastischen Riffen mit seiner einzigartigen Vielfalt zu unternehmen.
Ausgehen ist im Königreich nur mit vielen Entbehrungen möglich. Es sind jegliche Einrichtungen verboten, in denen Männer und Frauen zusammenkommen können. Darunter fallen Kinos, Diskotheken, Bars, Pubs usw. Männer allein können die wenigen Bars besuchen, die jedoch aufgrund des Alkoholverbots nicht stark frequentiert sind. Nachts sind die Strassen fast leer aber wir erfahren, dass sich junge Menschen oft mit dem Taxi zu den nächsten "Wohncamps" von Europäern oder Amerikanern fahren lassen, wo in der Regel ein anderes Leben mit vielen privaten Feiern und Freizügigkeit stattfinde.

Hier in Saudi Arabien setzt die islamische Religionspolizei im Auftrag des Staates die Scharia- Vorschriften bezüglich des religiösen Verhaltens durch. Die „Behörde ist für die Verbreitung von Tugendhaftigkeit und Verhinderung von Lastern" bekannt. Die Religionspolizei patrouilliert in den Strassen des Landes, um unter anderem das Verhalten und die vorschriftsmässige Kleidung von Frauen zu überwachen. Sie besitzt ebenfalls eine "Interne Abteilung", die Alkohol und Drogenschmuggel bekämpft. Zum Valentinstag ist der Verkauf vieler Produkte in der "Liebes-Farbe" Rot verboten, um die Bevölkerung von diesem "heidnischen" Spektakel fernzuhalten. Die Religionspolizei verhindert den Verkauf roter Rosen, roter Plüschteddys, roter Glückwunschkarten und anderer roter Geschenkartikel. Zwischen 2006 und 2007 nahm die Religionspolizei zudem Gerüchten zur Folge über einhundert sogenannte Zauberer fest. Zauberei gilt in Saudi-Arabien als Straftat.

Die Religionspolizei umfasst ca. 3.500 Mitglieder, die in der Befehlshierarchie direkt König Abdullah unterstellt sind. Oft ist die Religionspolizei gemeinsam mit der gewöhnlichen Polizei unterwegs, kann aber auch ohne Polizeieskorte patrouillieren. Die Religionspolizei verfügt über eine eigene Homepage, auf der unislamisches Verhalten angezeigt werden kann. Junge Menschen sind erfinderisch und wissen sich in der Not zu helfen!
Da es verboten ist, sich mit Frauen öffentlich zu treffen fahren die Jungs mit ihren teueren Schlitten bewaffnet mit blue tooth fähigen Handys durch die Strassen, und scannen den Äther nach interessanten Kennungen ab. Einmal in Reichweite werden SMS ausgetauscht. Oft ist das der Anfang einer Partnerschaft.
Die arabische Küche ist an das Klima angepasst, liegt uns sehr und ist leicht bekömmlich. Grundsätzlich wird zu fast jeder Mahlzeit Humus gereicht, ein Brei aus getrockneten Kichererbsen mit etwas Olivenöl, der mit frischem Fladenbrot aufgenommen gegessen wird. Hühnchen- und Rinderfleisch, viel Gemüse, frisches Obst und immer wieder Humus und Fladenbrot sind Gerichte, die überall günstig zu haben. Datteln und Feigen, die vielerorts an Bäumen wachsen, sind das nahezu einzige "einheimische" Obst. Imbisse und kleinere Restaurants werden fast ausschliesslich von Indern und Pakistani betrieben, die einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung darstellen und unentbehrlich im Königreich sind. Diese Menschen haben einen Teil ihrer eigenen Kultur mit ins Land gebracht und drücken sie u.a. mit der Art und der Zubereitung von Essen aus. Zu jeder Mahlzeit und auch zwischendurch wird süsser Tee gereicht, der sehr intensiv schmeckt und leicht anregend wirkt.

Wir ziehen es aber vor im Hotelzimmer zu bleiben und hier auf die Flugberechtigung zu warten. 08:30 es klingelt und ein Beamter aus Eritrea will wissen nach welchen Flugregeln wir denn nach Eritrea fliegen wollen! VFR sei problematisch. Ich telefoniere einmal mehr mit einem Beamten. Alain gbt nach dem Gespräch zum Ausdruck, dass mir angeblich deutlich anzusehen gewesen sei, dass mich die Angelegenheit langsam zermürbt. „Sorry we do not have received the clearance yet" quakt es aus dem Hörer..

Die Nachfrage bei Jet Aviation nach den aufgelaufenen Kosten für den „illegalen Aufenthalt von Alain" ist ernüchtern. Die Saudis haben schon 3 Rechnungen über 2400 US$ ausgestellt. Es ist kaum zu fassen was hier gerade geschieht! Jetzt habe ich von diesem Land, den Beamten und der ständigen Repressionen die Nase voll.
Ich entscheide mich dazu, fromell auszureisen und unser Lager innerhalb des internationalen Bereichs des Flughafens aufzubauen!
In der Not wende ich mich an den lokalen Manager von Jet Aviation.

Von: Beat Meier
Gesendet: Dienstag, 10. Juli 2007 13:17
An: ' Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. '
Betreff: WG: D-MBEA / Update

Hallo Herr Gisler, bei der Ausreise werde ich „Ihre", resp. die Jet Aviation - Unterstützung in Form eines kompetenten Verhandlungspartners benötigen. Es ist wirklich unglaublich was sich die Saudis erlauben. Mein Sohn ist auf Grund eines technischen Defekts im Lande sitzen geblieben und soll nun auch noch dafür bezahlen!
Mit freundlichen Grüssen
Beat Meier
Email an den Generalkosul in Jeddah:

Von: Beat Meier

Gesendet: Dienstag, 10. Juli 2007 13:39

An: ' Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. '

Cc: Marc Gieriet SF;

Christoph Müller SF

Betreff: Zwischenfall am Flughafen in Jeddah / Intervention erwünscht

Wichtigkeit: Hoch

Guten Tag,

Ich bin mit meinem Sohn vor einigen Tagen auf Grund eines technischen Problems an meinem Flugzeug gestrandet. Gestern habe ich Sie telefonisch darüber informiert und mir wurde wenig Hoffnung gemacht, dass Sie eine Intervention bei den hiesigen Behörden angehen können. Die Sachlage ist einfach: Als Kapitän werde ich als Crewmitglied eingestuft und kann solange im Lande bleiben bis das technische Problem gelöst und die Formalitäten für den Weiterflug geregelt sind um weiterfliegen können. Mein Sohn wird als Passagier eingestuft und muss umgerechnet 1000 US$ pro Tag bezahlen, da er kein Visum für das Königreich besitzt. Ich frage mich wozu?

Wir haben nie die Absicht gehabt, hier auch nur zu übernachten. Ist ein Passagier dafür verantwortlich zu machen, wenn das Flugzeug in dem er sitzt auf Grund eines technischen Defekts im Königreich Saudi Arabien strandet? Ich bin sicher Sie haben die entsprechenden politischen Kontakte um dieser Peinlichkeit ein Ende zu breiten. Für ihre Unterstützung danke ich Ihnen im Voraus herzlich.

Mit freundlichen Grüssen

Beat Meier

Soeben erfahren wir, dass ein neues Gesuch in Eritrea eingereicht werden muss und das bisherige aus Zeitgründen abgelehnt wurde! Man hat uns einmal mehr versetzt... Jetzt heisst es packen und auf einen Nachtflug nach Luxor vorbereiten. Schade - aber wir sind um eine Erfahrung reicher geworden.


Um 17:00 Uhr treffen wir beim Flughafen Jeddah ein und erhalten anstandslos unsere Pässe zurück. Zuerst bin ich sehr erstaunt über das kulante und sehr freundliche Verhalten der Behörden bis ich mit dem Manager von Jet Aviation spreche. Wir erfahren, dass die Verhandlungen mit den Einwanderungsbehörden bisher erfolglos geblieben seien und eine Lösung kaum in Sicht sei. Da Jet Aviation als Agent für uns bürgt, wird sie im Falle einer Verurteilung eine Rechnung an mich senden. - SUPER -!
Wir werden aus der Ferne beobachten, ob sich die Schweizer Behörden vor Ort der Sache annehmen und Rückgrat zeigen werden...

Es ist 18:30 und wir sitzen bei der Jet Aviation im Raum für das Flugpersonal und ich studiere das Wetter online. Alain, sonst eher ein Draufgänger erkundigt sich vorsichtig, ob er denn schon mal nachts geflogen sei!!! Das Problem: Es hat sich zwischen Jeddah und Luxor eine zwar durchbrochene Wolkenschicht gebildet, in der sich mittlere CB's (Cummulus-Wolken) verbergen. Nachts sind diese Monster nicht auszumachen und eine Begegnung müssen wir unter allen Umständen vermeiden. Im innern von CBs herschen frosige Bedingungen, es kann hageln und die starken Winde können das Flugzeug förmlich zerlegen. Selbst Vereisungen sind nicht auszuschliessen. Keiner kann einen Piloten gegen seinen Willen zwingen zu starten! Eine Notwasserung in Mitten des Roten Meers ist schon eine Herausforderung, bei Nacht aber eine Dummheit. Bei Nacht mit einem so kleinen einmotorigen Flugzeug grosse Strecken über Wasser zurückzulegen ist Leichtsinn und den lassen wir besser bleiben.
Es spricht nun also Alles dafür, dass wir die Zeit bis zum Morgengrauen hier im Bereich von Jet Aviation verbringen werden. Vor den Einwanderungsbehörden sind wir hier sicher solange wir uns nicht zeigen. Wir haben jetzt Zeit, uns Gedanken über das weitere Vorgehen zu machen...

sausi_13

Improvisiertes Nachtlager!

Idee: wir fliegen so schnell wie möglich zurück in die Schweiz und packen unsere Koffer und fliegen dann die geplante Stecke mit Linienflügen ab. In Afrika kann man sicherlich auch Flugzeuge mieten so dass wir unser Ziel trotz allem erreichen können. Improvisation ist angesagt. Wir sind guter Dinge das wir unser Ziel - das Kap der guten Hoffnung - trotz all der Widrigkeiten trotzdem erreichen. Unser Plan ist es, morgen in der Früh kurz vor Sonnenaufgang in Richtung Heimat zu starten... Ich schlafe auf einem Sofa und Alain verkürzt die Zeit mit Runscape - seinem Lieblingscomputerspiel.
Die Türe geht auf und ein Kapitän in voller Montur steht im Raum. „Have you been strandet here" erkundigt er sich. „Yea - you can say this" antworte ich noch etwas schlaftrunken. „Was ist denn Dein Problem" erkundigt sich Phillip. Phillip ruft sogleich seinen Flugingenieur an, der zuversichtlich ist, morgen eine Lösung für unser Problem zu finden. Er will eine Benzinpumpe einbauen, mit der wir im Flug den Treibstoff von den mitgeführten Kanister in den Flügeltank pumpen können!
Zum 1000sten mal rechne ich den Treibstoffbedarf für den Flug von Jeddah nach Djibuti durch! Wir benötigen bei 0 Wind 125,2 Liter Treibstoff für die Strecke. Mit einer Stunde Reserve 143,2 Liter. Unsere Zusatztanks fassen 43 Liter und die Flügeltanks etwa 118 Liter. Somit hätten wir 161 Liter Treibstoff an Board. Falls es uns gelingt, eine Pumpvorrichtung zu installieren hätten wir genug Treibstoff um die Strecke locker zu schaffen. Unsere Flugerlaubnis für Eritrea ist abgelaufen und ich bin fest entschlossen, in der Not der Landesgrenze (FIR) entlang zu fliegen. Wir verschieben erneut unsere Rückreise und wollen es noch einmal versuchen!!!

Am 11.7, 2007 werden wir wie immer vom Handy pünktlich um 5 Uhr geweckt und fast gleichzeitig knackt es im Deckenlautsprecher. Das Morgengebet ist angesagt - wir begeben uns zur Toilette, die sich gegenüber der hauseigenen kleinen Moschee befindet.

Kurz nach 6 ruft mich der Generalkonsul der Schweiz in Jeddah an um sich nach unserer Lage zu erkundigen. Ich gebe Entwarnung: Wir sind wieder im Besitze unserer Pässe und im Transitbereich des Flughafens - also ausserhalb des Königreiches Saudi Arabien. Es ist schön zu wissen, dass die Schweizerbehörden im Ernstfall vor Ort aktiv agieren! Die Rasierklinge ist stumpf geworden, Ersatz aus Gewichtsgründen :-) nicht greifbar. Es ist eine schmerzhafte Prozedur bei der ich mir die meisten Barthaare auszureissen scheine! Zähne putzen und dann zum Frühsport auf das Flugfeld. Freundlich werde ich von einem Bediensteten darauf hingewiesen, dass ich mich auf keinen Fall dem Zaun, der den Flughafen begrenzt, nähern soll. Auf die etwas naive Frage „weshalb?" folgt die ebenso spontane Antwort „Die könnten schiessen"...

Ich halte also einen Abstand von mehr als 10m zum Zaun ein während dem ich mich noch müde sportlich betätigt. Dabei suche ich gezielt nach Schläuchen, Kabeln und anderen möglichen Hilfsmittel, die für die Konstruktion der Behelfstanks nützlich sein könnten.

Es gibt viele Schläuche - aber alle scheinen einige Kaliber zu gross für das Vorhaben zu sein. Da erinnere ich mich an eine Handpumpe, die ich vor einigen Tagen an der Wand eines Schuppens habe hängen sehen. „Um 8 Uhr wird die Werkstatt geöffnet" erfahre ich vom Operationsmanager. Alain schläft auf einer behelfsmässigen Konstruktion, bestehend aus 2 Sofas und einer Beinstütze die früher einmal zu einem Fernsehsessel gehört haben dürfte. Um 8 Uhr sollte der Flugingenieur eintreffen, mit dem wir die Behelfspumpenkonstruktion angehen wollen. Ich hatte schon vor einigen Tagen die Idee Zusatztanks einzubauen, jedoch die Idee aus Gründen der Vernunft wieder verworfen. In Afrika gelten andere Gesetze und Regeln. Hier ist man oft zum Überleben auf den anderen angewiesen. Das gilt ganz besonders in der Flugbranche. Sicherheitsstandards werden auch einmal lockerer interpretiert als in Europa. Der Weg ist das Ziel heisst das Motto. Eines ist sicher: Am Flughafen Zürich würde eine solche Aktion, wie die von uns angedachte, niemals stattfinden können! Als Ingenieur kann ich die damit verbundenen Risiken ziemlich genau abschätzen.

Es darf beim Start und bei der Landung auf keinen Fall zu einem Zwischenfall kommen. Der Treibstoff könnte sich über die Insassen verteilen, alles Weitere bedarf keinerlei Erklärung. Mittlerweile kennt er das Flugzeug gut genug und fühlt sich der Aufgabe gewachsen. Alain hat noch gestern Abend klargemacht, dass er lieber am Computer spielen möchte, als bei der Lösungsfindung mitzuwirken. Ich bin über Alains Haltung enttäuscht und drückt dies auch deutlich aus. Erst als ich ihn bitte, wenigstens zu Filmen während der Aktion willigt Alain ein. Es ist jetzt 07:30 - zeit für einen Kaffee...
Punkt 08:00 Uhr steht ein kurz geschorener mittelgrosser kräftig gebauter Mann in blauen Plastiksandalen an der Türe. „Pete?" erkundigt er sich höflich - „Beat" korrigiere ich bestimmt. Wir verstehen sich auf Anhieb sehr gut. Eine kurze Besichtigung des Flugzeugs und schon ist ein Konzept entstanden: Auf Alains Seite wird ein T-Stück in die Benzinleitung eingebaut. Ein Rückschlagventil verhindert, dass Treibstoff aus dem Flügeltank ausfliessen kann, erlaubt aber den Durchfluss in die Gegenrichtung. Eine kleine elektrische Benzinpumpe mit einem Anschlussstecker für den Zigarettenanzünder, einige 1/2 „ Plastikschläuche - that's it... Der Motor bringt eine Zusatzbelastung von ca. 100mA - was vernachlässigbar ist. „You could have landed somewhere on the beach to top off your tanks- he said." Wir würden in Deiner Lage den Transponder ausschalten und eine Aussenlandung an einer Beach durchziehen, meine er nüchtern...

Er wird um ca. 10 Uhr mit allem Material zurückkommen das er in einem Spezialgeschäft für uns beschafft. Wir sind jetzt überzeugt, in Richtung Süden fliegen zu können! 126.9 MHz, so erklärt mir der Kapitän, ist die inoffizielle Koordinationsfrequenz unter den Flugzeugen in Afrika. Hier wird die Position, Flugrichtung und Flughöhe alle 20 Minuten gesendet. Diese Frequenz wird immer abgehört ebenso wie 121.5 MHz - die internationale Notruffrequenz. Wir erhalten übrig gebliebene Lebensmittel aus dem Jet eines der reichsten Araber.. Alain geniesst das Essen und ist bei guter Laune.

Wir verabreden uns mit dem Kapitän in Durban miteinander auszugehen und auf unser Abenteuer anzustossen! Der Weg ist das Ziel - jetzt müssen wir da wohl durch!!! Kurz vor dem Abflug bittet der Kapitän uns seine maschine zu besichtigen. Die 737 ist als Privatjet mit allem Luxus, den man sich vorstellen kann ausgerüstet.

sausi_12

sausi_11

Die Boeing 737-7AN(BBJ), ausgerüstet für max. 18 Personen inkl. Crew!

Das Bad mit den goldenen Hähnen fehlt sowenig wie das französische Bett und ein modern eingerichtetes Gästezimmer. Alain begeistern vor allem die Konsolen und Fernsehmonitore. „Papi - wenn Du einen Jet kaufst musst Du unbedingt auch solche Konsolen einbauen lassen."

Ich habe es es aufgegeben, die Realitäten aufzuzeigen und meine... „ja, wenn ich einen Jet kaufe dann mit Fernseher!". Ein Komfort im Cockpit den wir in unserer Maschine nicht kennen... Zum Schluss gibt's noch ein Bild von Alain und Beat im hoch modernen Cockpit! 11:35 wir warten auf den Flight Engineer der mit den Bestandteilen für unsere Hilfskonstruktion jeden Moment erscheinen müsste. Jetzt erfahren wir, dass Jemen uns die Erlaubnis für den Überflug nicht erteilt hat, dies auf Grund zu geringer Flughöhe. Beat verfasst schnell ein „Kniefall-Schreiben" indem er versichert, unter Anwendung von Sauerstoff unter optimalen Bedingungen gegen 15000 Fuss (5000müM) fliegen zu können. In der Schweiz waren wir ja schon mal auf 14100 Fuss.

Die Idee genau auf der Landesgrenze zu fliegen lasse ich nun doch fallen, nachdem ich erfahre, dass vor einigen Jahren in ähnlicher Mission ein Flugzeug von den Eritreanern kaltblütig abgeschossen wurde. Deren Bewilligung ist also unbedingt notwendig!!! Gleichzeitig hat Withe Rose Aviation ein Gesuch nach Eritrea gesandt.
Es ist kaum zu fassen: Endlich haben wir die Reichweite um Djibuti erreichen zu können und nun sind die Flugbewilligungen abgelaufen. Hier in Saudi Arabien können und wollen wir auf keinen Fall mehr bleiben. Wir wollen auf keinen Fall, dass Jet Aviation wegen uns Probleme bekommt. Auf der anderen Seite liegt das Ziel jetzt so greifbar nah, dass ein Aufgeben nicht mehr in Betracht gezogen wird. Heute würden wir nach unserem ursprünglichen Plan unseren ersten Tag in einer angenehmen Umgebung in der Wildnis verbringen! Statt an der geplanten Safari teilzunehmen warten wir auf die Flugbewilligung in einem Aufenthaltsraum für Crews. Alain vertreibt sich die Zeit mit seinem geliebten Computerspiel, was mich sichtlich ärgert. Alain zeigt kein Interesse an der Lösung unserer Probleme aktiv mitzuwirken. Ich versuche mich an meine Jugend zurückzuerinnern und kommt zum überraschenden Ergebnis, dass ich in der selben Situation wahrscheinlich genau so wenig Interesse gezeigt hätte.
Um 14:15 steht Mike der Flugzeugingenieur mit einer Plastiktüte in der Hand in der Türe. „Lets go and get this baby a few extra houres endurance" meint er trocken. Ich montiere die mitgebrachten Treibstoffleitunge an einen Abstellhahn wonach wir beide das klimatisiert Gebäude verlassen und mit einem Fahrzeug zum Flugzeug fahren. Die Kamera ist ausgepackt als plötzlich Sicherheitsbeamte das Flugzeug umstellen. Es wird urplötzlich klar, dass im Königsreich das Filmen auf dem Flughafengelände nicht erwünscht ist.

 

 

 

Äusserlich bereitwillig und kühl beginnen wir sofort damit die Filmausrüstung wegzupacken. Der ranghöchste Offizier will aber unbedingt das „leere" Band in der Kamera konfiszieren. Auch das lassen wir über uns ergehen!
Was dann folgt ist eine Abfolge von Szenen die ich gerne gefilmt hätte. Als Mike die Konstruktion mit der Elektropumpe an den vollen Tank anschliessen will, schiesst ihm der Treibstoff mit Druck entgegen. Er wird buchstäblich durchtränkt bevor er den rettenden Schlauch über das Rohr stülpen kann. Ein kurzer Funktionstest zeigt, dass die improvisierte Konstruktion tatsächlich einwandfrei läuft. Der Treibstoff wird aus dem Kanister angezogen und in den Flügeltank gepumpt.
Zurück im Office dann die nächste Hiobsbotschaft: Das Militärbüro in Jemen hat um 14 Uhr dicht gemacht und unseren Antrag nicht bearbeitet. Ob morgen dort gearbeitet wird weiss hier keiner. Es sieht ganz danach aus, als ob wir noch eine Nacht hier verbringen müssen! Nun ist es an der Zeit Mike in UK über den Stand zu informieren. Dieser hat von Eritrea natürlich noch nichts gehört. Er wird aber jetzt in Äthiopien und Kenia sofort die Flugbewilligungen einholen damit wir sofort nach Erreichen von Djibuti weiterfliegen können.

18:10 wir haben die Clearings-Nummer für Äthiopien erhalten. Damit ist die Weiterreise nach Addis ab Djibuti gesichert. Vater und Sohn haben viel Zeit um über Gott und die Welt zu reden.

Alain ist gesprächiger geworden in den letzten 2 Wochen. Mir fällt auf, wie diametral unterschiedlich unsere Interessen auf dieser Reise eigenen sind. Ich stellt mir immer wieder die Frage nach dem Wieso! Ist es der Altersunterschied, der genetische Einfluss der Mutter, die Erziehung oder sollte die Frage gar nicht gestellt werden? Es gibt durchaus spannende Momente in den Gesprächen - aber die meiste Zeit dreht sich alles nach wie vor um Anzahl Sterne von irgendwelchen Luxuskästen, dem Kaufpreis eines grossen Jets eines soeben gelandeten Scheichs oder der zugehörigen Innenausstattung. Ich habe mir zum Ziel gesetzt Alain mit dem wirklichen Leben zu konfrontieren und bin dabei im Zentrum von Geld und Macht steckengeblieben.
Wir werden wohl diese kommende Nacht noch einmal auf der Couch schlafen und hoffentlich morgen starten können.

 

Kalender

März 2010
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30 31 1 2 3 4
April 2010
Mo Di Mi Do Fr Sa So
29 30 31 1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 1 2
Copyright © 2010 adventure-flights.com. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.