Home 2007 2007: CH - SA (UL) Tagebuch 03. Tag: 27.06.2007 : Von Rom nach Grottaglie, Italien

03. Tag: 27.06.2007 : Von Rom nach Grottaglie, Italien

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Vor der Abreise in Urbe erkundige ich mich nach der Verfügbarkeit von Avgas (Treibstoff) am Zielflughafen Grottaglie. Es gibt angeblich kein Problem, Treibstoff für unsere Maschine zu beschaffen.

Ich gebe jetzt nach neuer Manier einen VFR Flugplan auf. Routinemössig überprüfen wir die CT, bereiten das Kartenmaterial vor und programmieren das Garmin 496 GPS. „D-MBEA - ready to taxi" höre ich mich sagen. Wir erhalten die Erlaubnis zum Startpunkt der Piste zu fahren wo wir den final Check durchlaufen. „Clear to take off..." und schon nach 100m Rollweg fliegen wir in der Luft.

Jetzt wechselt die Kommunikation kontinuierlich von VFR (Sichtflug) zu IFR (Instrumentenflug) obwohl wir im Flugplan VFR (Sichtflug) angegeben haben. Es bereitet mir echt Spass, wieder einmal nach Instrumentenflugregeln zu fliegen. Es zahlt sich aus, dass das Ultraleichtflugzeug mit modernster Elektronik zur Navigation ausgerüstet wurde.

Die Landung in Grottaglie (LIBG) verläuft problemlos und wir werden zu einem Standplatz für Jumbos geleitet wo wir einparken.

Das mit dem Treibstoff ist so ne Sache meint der hiesige Finanzinspektor des Flughafens. Hier gibt's es nur Treibstoff für Jets nicht aber für kleine Flugzeuge! Unsere Tanks haben für einen Weiterflug zu wenig Treibstoff - es muss rasch eine Lösung her. Nach 48 Minuten administrativer Arbeit, wobei 4 Formulare akribisch genau ausgefüllt werden, erklärt sich der Beamte bereit, uns zu einer Tankstelle im Ort zu fahren. Alain rennt zum Flugzeug zurück und bringt die 2 Plastikkanister mit, die wir im Heckteil des Flugzeuges sicherheitshalber mittransportieren. Mit exakt 26 Litern Treibstoff und dem Lederman am Bund kommen wir auf den Flughafen zurück, wo wir ohne Anstände durch die Sicherheitskontrolle gelassen werden.

Es ist zu späht um jetzt noch weiterzufliegen und wir entscheiden uns, ein Hotel in der Nähe zu beziehen. Das Verhältnis Vater Sohn entwickelt sich zunehmend positiv und ich freue mich wie Alain mehr und mehr Verantwortung übernimmt. Das knurren unserer leeren Mägen können sogar Dritte hören. Der Polizist führt uns mit seinem privaten Fahrzeug in die Kleinstadt Grottaglie, die zur Provinz Tarent (Taranto), in der Republik Apulien (Puglia) liegt. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein.

Auf jeden Fall geht hier Alles langsamer von statten als in Zentraleuropa.

todesanzeigeTodesanzeige

Todesanzeigen werden hier noch wie früher mit Kleister an einer zentralen Stelle im Ort an eine Wand gepappt. Durch die Feuchtigkeit verfärbt sich das Papier nach und nach und lässt die Farbe des Putzes durchscheinen. Im übertragenen Sinne wird hier der Zerfall alles Menschlichen dargestellt und mir wird dabei bewusst, das auch meine Zeit endlich ist. Wenn ich an meinen Vater denke, dann kommt mir spontan die Reise mit Ihm über 3 Pässe in den Sinn. Wird Alain in 30 Jahren oder 40 Jahren ebenso an mich denken wie ich an meinen Vater? Sich Zeit zu nehmen und es sich leisten zu können eine solche Reise mit meinem Sohn zu unternehmen erachte ich als Privileg.

Vor einer Kirche, die von hohen Mauern und engen Gassen umgeben ist, treffen wir auf einen Jungen Mann, der mit der Gitarre seiner Angebeteten den Hof macht. Ich frage ob ich die beiden fotografieren darf und sie nicken still, ohne das Spiel unterbrochen wird.

musikant

Musikant
Er ist 17 und spielt für seine Abgebetete vor der Kirche

Die Restaurants öffnen abends nicht vor 7 Uhr und uns bleibt nichts anderes übrig als in der einzigen offenen Bar des Ortes einzukehren. Das Brot ist trocken aber das Bier schmeckt lecker. Wir erkunden anschliessend das Städtchen, das als Hochburg in Sachen Keramik gilt. In der Via Crispi, die hoch zu dem Castello Episcopolo führt, liegt eine Keramikwerkstatt neben der anderen (insgesamt 52 registrierte Werkstätten, so genannte Quartiere delle Ceramiche, findet man hier).

Das Castello Episcopolo, ein bischöfliches Kastell, enthält ein Keramikmuseum, das leider gerade seine Türen schliesst, - Siesta! - als wir ankommen. Das meistverwendete Muster auf Keramik aus Grottaglie ist ein Hähnchen mit hoch erhobenem Kopf, schwellender Brust und aufgerissenem Schnabel. Diesen Gesellen entdeckt man in allen Werkstätten in unterschiedlichen Formen und Farben, wobei die Farbgebung aus gelb, orange, rot und blau die traditionellere Variante darstellt, wie man sie u.a. bei Cosimo Vestita oder Trami auf Schüsseln, Tellern sowie Essig- und Ölgefässen wiederfindet. Alain kann lässt sich nicht begeistern für dieses Thema - ich nehme ihm das nicht übel. Einige Kaffees öffnen um 17:00 Uhr die Tore. Bereits 2 Minuten später lassen wir es in einem der 3 Lokale uns gut gehen. Wir sitzen in Mitten von „alten" Männern, die beim Kartenspiel ihr Glück suchen. Alain beobachtet wie ein jüngerer Mann, ein typischen 68er, einige Gramm zum Rauchen verkauft. Mir geht es gut und ich versuche ein gutes Lokal in der Nähe zu finden. . Englisch ist hier im waren Sinne des Wortes eine Fremdsprache. Mit Händen, Füssen, Spanisch, Französisch und einigen Brocken Italienisch klappts aber ganz gut. Wir betreten ein typisch italienisch gestaltetes Restaurant .- das Beste im Ort - hat man uns versichert.

Der Kellner spricht sehr gut Englisch, ist hilfsbereit und serviert uns einen kulinarischen Traum. Alain geniesst sein offiziell erstes Glas Rotwein nach einem Prosecco.

Wir sind gut gestimmt als wir uns zum Hotel aufmachen.

Vor dem Schlafen ziehe ich noch die Flugplanung für dern morgien Tag durch.

 

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